endlich wieder RTW

Ja, ich habs geschafft. Mehr als ein Jahr nach meiner ersten Schicht auf nem RTW war ich mal wieder mitfahren :) Diesmal im tiefsten Bayern, der Bericht ist so lange, dass ich ihn gesplittet habe… Viel Spass :)

RTW-Praktikum

Der Wecker klingelt um 4.45 Uhr und holt mich aus meinem unruhigen, traumlosen Schlaf. Gestresst suche ich den Übeltäter, damit Christoph nicht geweckt wird. Ich schleiche aus dem Zimmer und verschwinde kurz unter der Dusche. Erst dort wird mit bewusst, dass ich heute endlich mal wieder in den Rettungsdienst darf. Hunger habe ich (noch) keinen, esse aber trotzdem ein kleines Frühstück.
Um 5.45 Uhr mache ich mich auf den zehnminütigen Weg zur Wache. Die kühle Morgenluft ist angenehm und der blaue Himmel hat keine Anzeichen, dass sich das Wetter heute noch schlagartig ändern wird.
Kurz vor 6 Uhr bin ich auf der Wache. Verschlafen ziehe ich mich um und suche in meiner Tasche die Dinge zusammen die ich mit aufs Auto nehmen werde. Um 6.10 Uhr klopfe ich bei der Leitstelle und hole mir dort die Praktikantenjacke. Ich weiss bis jetzt noch nicht, mit wem ich fahren werde und beim Schichtleiter ist niemand. Zehn Minuten später taucht der Schichtleiter auf, guckt auf dem Dienstplan nach und sagt mir, dass ich mit Sabrina und Arnold fahren werde. Erfreut mit einer Frau zu fahren, gehe ich zurück in die Fahrzeughalle und warte vor dem RTW, bis jemand auftaucht.
Kurz vor halb kommt Sabrina. Ich stelle mich ihr vor und schon zeigt sie mir das Auto. Wir sind am Betrachten des Innenraums, als Arnold dazukommt. Es reicht gerade, um einander Hallo zusagen, da gehen der Melder und der Gong fast zeitgleich…
Während Arnold das Fax holt und Sabrina das Tor öffnet, schliesse ich die offenen Schubladen, setze mich hin, gurte mich an und mustere beim Warten bis es los geht den RTW mal richtig:
Ich sitze auf der Fahrerseite in Fahrtrichtung, rechts neben mir die Trage und ganz rechts noch ein zweiter Sitzplatz. Gerade vor mir die Schränke und Schubladen mit dem Material. Neben der Schiebetüre auf der Beifahrerseite EKG/Defi, Beatmungsgerät und die Absaugung. Nirgends entdecke ich einen Funk, und so höre ich nur das Piepsen der Statusänderung von vorne. (Der Innenraum sah fast gleich wie hier aus, der Zugang zum Funk (der Telefonhörer neben der Türe) fehlte leider…)

Wir fahren ungefähr zehn Minuten mit Sondersignalen (SoSi = Martinshorn und Blaulicht :D ) durch die Stadt. Als wir ankommen, sagt mir Arnold, dass wir neben dem Rucksack (welchen man immer mitnimmt) noch das EKG und den Sauerstoff mitnehmen. So gehen wir also “schwer” beladen durch eine Siedlung mit hohen Wohnhäusern. Auf dem Weg zur Familie Mergola frage ich die Beiden warum wir überhaupt hier seien. Sabrina sagt, dass ein Kollaps gemeldet sei. Arnold ergänzt, dass die Leitstelle oft nur das aufschreibt, was der Anrufer sagt und dass das manchmal nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Während er einige Beispiele erläutert, kommen wir zum Wohnhaus.
Arnold (mit der leichten Sauerstofftasche) nimmt den Lift, während Sabrina und ich (beladen mit EKG resp. Rucksack) die Treppen in den 3. Stock nehmen (der Lift war zu eng für alle drei mit Geräten, freiwillig hätten wir das nicht gemacht^^).
Ich klingle bei der Familie Mergola, wir kommen herein und werden von Frau Mergola ins Wohnzimmer geführt.
Auf der Couch liegt ihr Mann, schlapp und verschwitzt. Er habe beim Frühstücken plötzlich Schweissausbrüche gekriegt und sei dann einfach umgekippt. Herr Mergola erinnert sich daran, dass er aufgewacht sei, als seine Frau telefoniert habe. Wir entscheiden uns, den Blutdruck und den Blutzucker zu messen. Beim Blutdruck habe ich Probleme einen Wert zu finden und lasse Sabrina ran. Während ich am Blutzucker messen bin, klippt Arnold das Plusoxymeter an einen Finger. Die Sauerstoffsättigung ist für einen knapp 80jährigen Mann in Ordnung, verwirrend ist seine Herzfrequenz. Da ein Pulsoxymeter aber keine sehr genauen Werte zeigt, entscheiden wir uns ein EKG zu schreiben. Mit Hilfe von Sabrina darf ich es kleben (und bin schon früh morgens stolz auf mich^^). Das EKG zeigt uns den vermutlichen Grund des plötzlichen Kollaps:
Der regelmässige Sinusrhythmus wird zwischendurch (nach ca. jedem 3 Herzschlag) mit einer Extrasystole “versaut”. Und nach jeder zweiten Extrasystole nahm der Pulsschlag (für ca. 3/4 Schläge) extrem ab. Die Herzfrequenz ist mit 100 Schlägen zwar etwas erhöht, aber durch die Aufregung noch OK. In den langsamen Phasen geht der Herzschlag aber auf unter 50 Schläge pro Minute runter. Ein klarer Fall für die Kardiologie. Noch während Arnold dem Patienten und seiner Frau den Ausdruck zeigt, fährt Sabrina das Auto zum Eingang des Wohnblocks, Ich schicke den aufgeregten Mann los, seiner Frau wichtige Dinge fürs Krankenhaus einzupacken. Arnold lässt noch eine zweite Aufzeichnung machen und ausdrucken. Während dieser Zeit zeigt er mir den ersten Ausdruck und erklärt den Ablauf der Reizweiterleitung im Herz (ich find’s spannend, obwohl ich die Grundzüge, die er mir erklärt, schon kannte^^). Sabrina kommt mit dem Stuhl zurück. Wir befreien Herr Mergola vom EKG, packen ihn in einen Morgenmantel, verfrachten ihn auf den Stuhl und, mit dem Pulsoxy in der Hand, fahren wir ihn aus der Wohnung. Sabrina verschwindet mit dem Stuhl im Aufzug, Arnold eilt mit dem Sauerstoff in der Hand die Treppe runter, um die Trage herauszuholen, und ich stolpere mit Rucksacke und EKG ihm nach. :) Praktikanten sind halt schon toll; tragen alles, beklagen sich nicht und freuen sich über jede dumme Tätigkeit, die sie selber machen dürfen :)
Völlig verschwitzt komme ich zeitgleich mit dem Aufzug unten an, halte Sabrina die Türen auf und so kommen wir nach draussen. Dort hat sich das Wetter schlagartig verändert; von der gemütlichen morgendlichen Stille zum drohenden Unwetter mit schwarzen Wolken. Schnell verstaue ich Rucksack und EKG im Auto und helfe Sabrina, Herrn Mergola auf die Trage umzulagern. Wir schieben ihn rein, befestigen die Kabel des EKG wieder mit den Elektroden auf seinem Oberkörper, Arnold verstaut den Stuhl, ich hüpfe hinten und Sabrina vorne ins Auto.
Mit dem Starten des Motors beginnt es zu regnen. Während Sabrina sich einen Weg durch den frühmorgendlichen Pendlerverkehr bahnt, der Regen stark auf das Dach prasselt und Arnold das Protokoll beginnt auszufüllen, wird Herr Mergola ängstlich. Er starrt mich an und packt dann meine Hand, die er hält, bis wir in der Notaufnahme des KH mit Kardiologie sind. Nach einer kurzen Übergabe durch Arnold lagern wir den Patienten um, verabschieden uns und gehen zurück zum Auto. Mit Sabrina beziehe ich die Trage neu und sie freut sich, dass ich weiss wie es geht :) (@Chris: Die vier Tage Praktikum bei dir im Krankentransport brachten doch etwas^^).  Nach der Hälfte ihrer Zigaretten melden sich Sabrina und Arnold wieder frei. Die zwei rauchen fertig und wir fahren zurück in Richtung Wache. Noch immer prasselt der Regen unaufhörlich. Ich höre das Rauschen des Funks, dann das Piepsen des Melders. Arnold beginnt zu funken, Sabrina fährt langsam an den Strassenrand, Arnold schreibt auf, Sabrina fährt schnell und mit SoSi los. Mal wieder habe ich keine Ahnung um was es geht… Arnold dreht sich kurz um: “Ämpee, Jacke anziehen, zumachen, Kapuze nicht vergessen, es geht auf die Strasse.” *huch* Ich ziehe (durchgehend angegurtet) meine Jacke an, schliesse Reissverschluss und Druckknöpfe, krame die Kapuze aus dem Kragen und warte.

Sabrina fährt durch den starken Regen, ich versuche durch das kleine Fenster nach vorne etwas zu erkennen. Im Starkrregen erkennt man schemenhaft das vordere Auto, zwar fahren wir mit SoSi aber so langsam, dass man fast nebenher rennen könnte. Sabrina hält das Fahrzeug an einer Tankstelle, Arnold und ich steigen aus und stellen fest, dass der Unfall auf der Gegenfahrbahn ist. (Probleme: Starkregen, 4 spurige Strasse mit Grünstreifen in der Mitte). Arnold sucht sich zu Fuss den Weg über die Strasse, ich setze mich zu Sabrina nach vorne und wir zwei fahren los. Zuerst entgegen der Fahrrichtung die 200 Meter die wir schon hingefahren sind, dann 200 Meter auf der anderen Seite (wieder entgegen der Fahrtrichtung) halb auf dem Fahrradweg. Während sich Sabrina auf den Weg konzentriert, entziffere ich Arnolds Gekritzel “VU, Fahrrad gegen PKW (??), Ecke Winzeler-, Thurgauerstrasse. Bei der Tankstelle”. Na gut, das mit der Tankstelle stimmte schon mal nicht. Wir halten 30 Metern vom Unfall entfernt an, die Bäume hängen sehr tief. Ich springe in den strömenden Regen. Arnold ist gut über die Strasse gekommen und die eingetroffene Polizei sichert den Unfallort.
Neben der vierspurigen Strasse verläuft ein Fahrradweg, dieser kreuzt eine Einfahrtsstrasse. Genau an diesem Ort ist dieser Fahrradfahrer (ohne Fremdverschulden gestürzt) und auf die Strasse gefallen…

Morgen geht es dann weiter ;)

P.S. Alle benutzen Namen (Strassen- und Personennamen) sind verändert!

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6 Antworten zu endlich wieder RTW

  1. delfinstern schreibt:

    Hört sich nach einem intressanten Tag an. Vor lauter RTW-fahren hast Christoph hoffentlich nicht vergessen und abends (und die nächsten tage?) was mit ihm unternommen, bei hoffentlich schönerem Wetter……

    • ämpee schreibt:

      Hy… :) Ne den Chris habe ich nicht vergessen :) Habe nach Schichtende sogar auf ihn gewartet *lach* Die restlichen Tage waren wir shoppen (für ihn! :D )

  2. Federkiel schreibt:

    Klingt sehr spannend! Und am besten gefällt mir die Kategorie dabei – Freizeit und Ferien. Die so sinnvoll zu nutzen ist echt klasse! Ich bin gespannt auf den zweiten Teil!

    • ämpee schreibt:

      Teil zwei war auch spannend… :) Und die folgenden Teile auch :D Ja, die Kategorie ist toll^^ Obwohl ich in diesen Ferien ja eigentlich viel mehr lernen müsste… 0_o Egal^^

      • Federkiel schreibt:

        Lernen tust Du da doch auch, oder? Und ich schätze, das ist auf lange Sicht wichtiger als das Schulzeugs, weil Du es aus freien Stücken tust :-)

  3. gr3if schreibt:

    Die Praxis ist gut :D Aber achte auf verschiedene Partner, jeder im Rd macht die Sachen anders. Suche dir da das beste raus nur so wikrst du richtig gut^^

    Klingt aber Irre spannend was du erlesbst xD

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