An der Einsatzstelle angekommen sehe ich ein Polizeiauto und zwei andere PKWs. Der vordere ist stark zerbeult, der hintere leicht. “Auffahrunfall”, sagt uns der jüngere Polizist, “Der kleine Mann da”, er zeigt auf einen fünfjährigen strohblonden Jungen, “sass im vorderen Auto auf der Rückbank, mit Kindersitz angegurtet, hat jetzt leichte Kopfschmerzen. Könnt ihr euch das bitte mal angucken?” Während Sabrina der Kleinen untersucht und Arnold sich den Sitz von der Mutter zeigen lässt, stehe ich etwas verloren da. Der Kleine hat nur lokal am Hinterkopf Schmerzen, das Abtasten des Kopfes zeigte keine Auffälligkeiten, auch sonst fällt nichts auf und er lacht schon wieder, als er einen Polizeibären bekommt. Deshalb entscheiden sich die beiden RAs dafür, ihn dazulassen. Sie gucken sich die beiden Fahrer noch an, doch auch da besteht kein Bedarf jemanden mitzunehmen. Wir packen also unsere Siebensachen wieder ein und fahren zurück zur Wache. Dort angekommen verschwindet Arnold im Nirwana, Sabrina geht mit dem Schichtleiter rauchen und ich bleibe, mit einem Internetunfähigen Handy, alleine zurück. Die Zeit will nicht vergehen und andauernd fallen mir die Augen zu. Doch schlafen kann ich nicht, das wäre doch peinlich. Ich schnappe mein Handy, gehe in die Fahrzeughalle und telefoniere mit meiner Mama
(Was hätte ich sonst tun sollen??) Irgendwann taucht Sabrina in der Halle auf, wir schnappen uns eine Materialbestellliste, gucken die Fächer durch, schreiben alle fehlenden Teile auf, gehen mit dem Einkaufswagen ins Lager, füllen ihn, gehen zum Auto und beginnen aufzufüllen. Als wir fertig sind geht das erlösende Geräusch vom Melder und vom Gong… *lach*
Es ist wie immer: Sabrina fährt, Arnold funkt und ich weiss nicht um was es geht xD. Auf der Fahrt zum Einsatzort höre ich hinter uns noch ein Horn; ich gucke aus dem Hinterfensterchen und sehe ein NEF (Notarzteinsatzfahrzeug) hinter uns herbrausen. *oha*
Am Einsatzort angekommen schnappen wir Rucksack, Sauerstoff und EKG/ Defi und machen uns mit der Besatzung vom NEF (RA und NA), die mit dem gleichen Material kommen^^, auf den Weg zur Patientin. “Akute Atemnot und schlechter AZ” sind gemeldet. Der Weg durch die Siedlung ist versperrt, so müssen wir 200m gehen. Dort angekommen, eilen wir in den dritten Stock.
Dem Notarzt nach gehen wir alle in die Wohnung von Frau Maurer. Sie liegt schwer atmend und hustend teilnahmslos in ihrem Pflegebett. Er habe sie so vorgefunden, sagt uns der osteuropäische Pfleger in seinem gebrochen Deutsch. Es würde ihr, laut Aufzeichnungen der anderen Pflegenden, seit ungefähr drei Tagen so schlecht gehen. Als erste Massnahme will der Notarzt absaugen, aber die Absaugung liessen beide Besatzungen im Auto. Doch zum Glück ist die junge und fitte nichtsnutzige Praktikantin da^^ Sabrina gibt mir den Schlüssel, und als ich aus der Wohnung gehe, erklärt sie mir noch kurz, wie ich die Absaugung aus der Halterung zu lösen habe^^
So eile ich also die 200 Meter zurück, öffne das Auto, schnappe das schöne Gerätchen, schliesse wieder ab und mache mich auf den Weg zurück. Ich bin keinen Meter gerannt und komme dennoch verschwitzt oben an. Unterdessen haben die Vier einen Zugang gelegt, haben die Frau ans EKG gehängt, Blutzucker und Blutdruck gemessen und, wegen dem schlechten Sauerstoffgehalt im Blut, der Frau eine Sauerstoffmaske übergezogen. Der junge Notarzt (wirklich ein sehr Hübscher!^^) saugt der alten Frau den freigehusteten Sekret ab, sein RA unterstützt ihn dabei. Sabrina vergleicht die Aufzeichnungen auf dem EKG und den effektiven Pulsschlag auf dem Pulsoxy. Arnold sucht im 7cm dicken Ordner wichtigen Informationen über die Dame zusammen; es gibt weder einen genauen, regelmässig und gleich geführten Pflegebericht, noch ein Informationsblatt aller Krankheiten und Gebrechen der alten Dame. Nicht mal eine genau geführte Medikamentenliste gibt es! Auch der Pfleger kann nicht viel helfen, er verneint aber den Besitz einer Patientenverfügung von Frau Maurer und hält es nicht für sinnvoll, den Sohn zu informieren (der trinke und nehme Drogen…). Der Notarzt verdreht die Augen, verlangt das Telefon und versucht den Sohn zu erreichen (doch es ist und bleibt besetzt). Sabrina und der RA des NEFs sind unterdessen nach draussen gegangen um den RTW näher zu fahren, und Arnold schreibt nun einen eigenen Informationszettel über die Dame.
Der Notarzt (er weiss unterdessen, dass ich nur Praktikantin bin^^) bittet mich um Mithilfe. So legen wir zusammen ein 12-Kanal-EKG. Er freut sich, mir alles zu erklären und zu zeigen und ich freue mich, mit ihm zusammen zuarbeiten *lach* ne, ich freue mich etwas tun zu dürfen…
Er zeigt mir danach den Ausdruck und erklärt mir die verschiedenen Ableitungen und so. Die Aufzeichnung zeigt keine Auffälligkeiten, der Puls ist im Sinusrhythmus und regelmässig. Das Pulsoxy zeigt jedoch ein ganz anderes Bild. D.h. die elektrischen Impulse am Herzen sind regelmässig und normal, das Herz schlägt aber nicht bei jedem Signal. (habe leider den Namen vergessen….). Die beiden RAs kommen zurück, ich packe mit dem NEF-RA (der absichtlich tiefstes Bayrisch mit mir spricht^^) die Sachen zusammen. Die Abschlussdiagnose ist eine Pneumonie (Lungenentzündung) und dieses, eben beschriebene, Herzproblem.
Nun tragen Sabrina, Arnold, NA und RA die Frau im Tragetuch nach unten. Mit bleiben zwei Rucksäcke, zwei Sauerstofftaschen, zwei EKGs und eine Absaugung. Zum Glück hat es einen Lift und zum Glück ist ein Rucksack genügend schwer, die Türe offen zuhalten… ![]()
Wir laden die Frau in den RTW ein. Der Notarzt löst den Sauerstoffschlauch vom tragbaren Sauerstoff und schließt ihn an den Sauerstoff vom Auto. (und vergisst, das Ventil zu schliessen *yeah* noot^^) Ich setze mich auf den dritten Stuhl hinten, und so fahren wir mit SoSi wieder ins gleiche KH.
Dort bin ich bei der Übergabe dabei und helfe nachher, das Auto auf Vordermann zu bringen. Während dem Putzen muss der Notarzt schon wieder raus, und wir bleiben alleine mit einem Saustall zurück *grins*. Wir putzen fertig, zwei Zigaretten werden angezündet und noch in Status 8 werden wir neu alarmiert. “Fahrrad gegen Fussgänger, Schulhof Waldeck”. Während wir noch alles verstauen (also ich räume auf und die anderen rauchen), erzählt Arnold mal wieder eines seiner Rettungsdienstmärchen *lach*
Wir fahren mit SoSi los, und auf dem Schulhof sehen wir, dass die Pol schon vor Ort ist und dass gar keine Kinder involviert sind, sondern zwei Väter… Doch auch hier brauchen wir nichts machen; der Fussgänger ist putzmunter und der Fahrradfahrer hat eine Prellung an der Schulter, sonst aber nichts. Arnold schreibt noch kurz einen Bericht, dann melden wir uns wieder frei.
Ich setze mich hinten ins Auto, schnalle mich an und harre der Dinge, die kommen…
Ich höre, dass wir einen neuen Einsatz kriegen. Durch das Rauschen des Funkes und die grosse Entfernung verstehe ich nicht viel. Nur dass der Einsatzort am “Bahnhof Subingen” ist und dass der RTH Christoph mit alarmiert ist… Ich werde echt aufgeregt, male mir die schlimmsten Dinge aus und hoffe, dass ich das mit dem Christoph nur falsch gehört habe.
Sabrina hält an, Arnold springt raus und verschwindet direkt Richtung Einsatzort. Ich öffne die Türe, packe Rucksack und EKG und höre das Knattern des Hubschraubers *fuck*, doch richtig gehört… Sabrina nimmt die Sauerstofftasche, und so beladen gehen wir Arnold nach. Sie beruhigt mich etwas, denn gemeldet sein “nur” Krampfanfall. Wir sehen Arnold bei einer Treppe, der Patient liegt auf der Treppe und spricht mit seinen beiden Begleitpersonen, Arnold telefoniert mit der Leitstelle und bestellt den Christoph ab. Dieser kreist schon über uns… Dreht eine tiefe Runde und verschwindet dann wieder.
Martin sei plötzlich umgefallen und habe am ganzen Körper gezuckt, erzählen die beiden Begleitpersonen. Martin geht es körperlich zwar (wieder) gut, er ist aber noch stark mitgenommen vom Krampfanfall. Er verneint, schon mal einen Krampanfall gehabt zu haben, noch ein belastendes Ereignis erlebt zu haben.
Sabrina fährt das Auto auf die andere Seite des Bahnhofes, in die Nähe von uns. Währenddessen legt Arnold einen Zugang und ich mache die Infusion bereit. Nachdem Blutzucker und Blutdruckmessen (das ENDLICH gut ging
) ist Sabrina mit der Trage zu uns gekommen; wir lagern um und bringen Martin ins Auto.
Ohne SoSi fahren wir ins KH, dort geht es Martin schon deutlich besser und er geht zu Fuss, gestützt von mir (*hach* ist das toll, was selber zu tun^^) in die Notaufnahme. Wir übergeben ihn, machen das Auto ready und fahren zur Wache.
Dort waren wir genau 3 Minuten (es reichte, um die Sauerstoffflasche zu wechseln), denn wir mussten 30 Minuten vor Schichtende nochmals raus.
Eine junge Frau (18 *ha*) war die Treppe runtergefallen und hatte sich am Fuss verletzt. Wir nahmen sie und eine Kollegin mit, brachten die Beiden in eine chirurgische Klinik und fuhren nach Hause ![]()
Dort übergaben wir das Auto an die nachfolgende Schicht, auch mit Praktikanten, und liessen sie direkt zum nächsten Notfall los.
Tja, dann musste ich meine Jacke abgeben, zog mich um und war traurig. Es war so toll und ich weiss noch nicht, wann ich wieder auf einen Rettungswagen kann…